Werk der Woche - Nino Rota: Il Gattopardo

Nino Rota ist wohl neben Ennio Morricone der wichtigste Filmkomponist Italiens. Unter anderem erhielt er den Oscar für "Der Pate II" und steuerte Musik für zahlreiche Filme der Regie-Legenden Federico Fellini und Luchino Visconti bei. Mit Riccardo Muti bringt in dieser Woche einer der versiertesten Rota-Dirigenten zusammen mit dem Chicago Symphony Orchestra die symphonische Filmsuite Il Gattopardo in Italien zur Aufführung. Das Orchester befindet sich derzeit auf Tournee in Russland und Italien und wird die Suite in Rom, Neapel, Brescia und Ravenna spielen.

Il Gattopardo entstand 1963 als Musik für den Visconti-Film "Der Leopard". Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Giuseppe Tomasi di Lampedusa: In den 1860er Jahren steht Italien im Zeichen eines gesellschaftlichen Umbruchs. Im Angesicht des aufsteigenden Bürgertums zeichnet sich der Untergang des alten Adels ab. Ein Fürst aus altem Adelsgeschlecht arrangiert sich oberflächlich mit der neuen Situation und verheiratet seinen Neffen mit der Tochter des neureichen Bürgermeisters. Er befürwortet den gesellschaftlichen Wandel jedoch nicht und verweigert folglich die Unterstützung für den Aufbau des neuen Königreiches. Bei einem Ball treffen das alte und das neue Italien schließlich aufeinander.

Für diese zentrale lange Ballszene komponierte Rota eine einzigartige Tanzsuite. Die Musik übernimmt hier nicht nur begleitende Funktion, sondern prägt Stimmung, Handlung und Bedeutung. Um den Stil der Zeit aufzugreifen, beginnt die Suite mit einem bis dahin unveröffentlichten Walzer Verdis, den Rota neu instrumentierte. Es folgen Rotas Eigenkompositionen, die den Stil des Risorgimento aufgreifen.

Für andere Szenen des Films griff Rota eine Idee aus seiner bereits früher entstandenen Sinfonia sopra una canzone d’amore zurück und schuf eine epische, für den Einsatz im Konzert vollgültige symphonische Musik.

Dirigent Riccardo Muti beschreibt die Musik Rotas so:

Die Welt des Nino Rota ist stilistisch eine ganz einheitliche Welt. Sein Schaffen offenbart Rota als einen Musiker, der den Mut hatte, er selbst zu sein. Er hat in seinen Filmpartituren für Fellini und andere große Regisseure wie Visconti oder Coppola eine zutiefst inspirierende Musik geschrieben. (Riccardo Muti)

Die Konzerte des Chicago Symphony Orchestra finden am 23. April in Rom, am 24. April in Neapel, am 26. April in Brescia und am 27. April in Ravenna statt.

Foto Nino Rota: de Antonis
Gemälde: Silvestro Lega - il pergolato (1860)

(22.04.2012)




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