Heute vor 80 Jahren: Jedem Kind ein Instument

Paul Hindemiths "Plöner Musiktag" am 20. Juni 1932 - eine musikpädagogische Innovation

"Musik machen ist besser als Musik hören" - diesem Motto verschrieben sich Komponist Paul Hindemith und der Gymnasiallehrer Edgar Rabsch. Anfang 1932 war Hindemith zu Gast am Schlossinternat im Schleswig-Holsteinischen Plön gewesen. Dort hatte Rabsch eine Initiative gestartet, die vorsah, dass jedes Kind der Schule ein Instrument lernte und in verschiedenen Ensembles regelmäßig musizierte. Fester Bestandteil der Konzerte war immer auch Musik der Gegenwart, oft von Hindemith und Kurt Weill. Rabsch war davon überzeugt, dass so nicht nur das Lernen unterstützt würde, sondern dass dies positive Effekte auf die persönliche und soziale Entwicklung seiner Schüler habe.

Nachdem Hindemith in Plön mit Begeisterung eine Aufführung seiner Kantate "Wir bauen eine Stadt" gehört hatte, versprach er, einen ganzen Musiktag für die Kinder zu komponieren. Schließlich entstand so eine Musik für verschiedenste Besetzungen in einer quasi-barocken Gestalt: Morgenmusik ("von Blechbläsern auf einem Turm zu blasen"), Tafelmusik ("Stücke zur Unterhaltung, beim Mittagessen zu spielen"), Kantate ("Mahnung an die Jugend sich der Musik zu befleißigen"), Abendkonzert. Am 20. Juni 1932 wurde die Musik im Rahmen eines dreitägigen Festes uraufgeführt.

Sowohl der pädagogische Ansatz als auch die Gestaltung der Tonsprache kann heute ebenso fruchtbar gemacht werden wie vor 80 Jahren. 2008 wurde der Plöner Musiktag von Jobst Liebrecht und dem Jugendsinfonieorchester Marzahn-Hellersdorf in Berlin nacherlebt und die Musik auf CD für das Label WERGO eingespielt.

(20.06.2012)




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