Werk der Woche - Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt

Am 30. Juni 2012 hebt sich im Sydney Opera House der Vorhang zur australischen Erstaufführung von Erich Wolfgang Korngolds Oper Die tote Stadt. Unter der Leitung des Dirigenten Christian Badea wird das Meisterwerk in der Inszenierung von Bruce Beresford auf die Bühne gebracht. In den Hauptrollen sind die australische Sopranistin Cheryl Barker und der deutsche Heldentenor Stefan Vinke zu sehen. Eine Besonderheit der Produktion besteht darin, dass das Orchester des Opernhauses nicht wie gewohnt im Orchestergraben Platz nimmt, sondern die Musik live aus dem Studio als Surround-Sound in das Auditorium übertragen wird. Dadurch ergeben sich völlig neue Möglichkeiten für die klangliche Raumwirkung.
Als Vorlage für Die tote Stadt diente der symbolistische Kultroman "Bruges-la-Morte" von Georges Rodenbach. Unter dem Pseudonym Paul Schott schrieben Erich Wolfgang und sein Vater Julius Korngold das Libretto. In der vielschichtigen Liebesgeschichte steht der junge Mann Paul im Mittelpunkt, der den Tod seiner Frau Marie nicht verarbeiten kann. Er verliebt sich in Marietta, in der er seine verstorbene Liebe wiederzuerkennen meint. Kann Marietta ihm helfen, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen? Oder wird Paul schließlich an seinem Schmerz zerbrechen?
In drei Akten gelingt es Korngold prächtige Melodien und eine farbenreiche musikalische Gestaltung aufleuchten zu lassen, die an die Musik von Strauss und Puccini erinnert. Viele der Arien wurden in den 1920er Jahren zu Schlagern und sind heute häufig in Konzertprogrammen zu hören. Oft wird Die tote Stadt als eine der letzten romantischen Opern bezeichnet. Auch wenn der Zeitgeist nach dem ersten Weltkrieg in eine andere Richtung weist, hält der Komponist in ihr an Tonalität und erzählender Opernform fest.
Die Uraufführung des Werkes fand Ende des Jahres 1920 gleichzeitig an den Opernhäusern in Hamburg und Köln statt. Der enorme Erfolg der Vorstellungen verhalf dem damals erst 23-jährigen Korngold zum endgültigen internationalen Durchbruch. Ein Kritiker schrieb kurz darauf:
Seit Musik zum ersten Mal für ein Theater geschrieben wurde, hat es noch nie einen Komponisten gegeben, der in so einem jungen Alter so viel erreichte. Ein jugendlicher Sturm bricht über uns herein...
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Musik des jüdischen Komponisten verboten und Korngold musste 1933 – wie viele andere Künstler – in die USA emigrieren. Nach dem Krieg wurden Korngolds Werke vom europäischen Musikleben, das ihm seine zeitweise Hinwendung zur Filmmusik nicht verzieh, vielfach mit Nichtbeachtung bestraft und gerieten zunehmend in Vergessenheit. Erst seit den 1980er Jahren wird Die tote Stadt wieder regelmäßig in aller Welt aufgeführt.
Nach der Premiere in Sydney finden dort bis zum 18. Juli noch sechs weitere Aufführungen statt. In Deutschland findet die nächste Premiere am 5. April 2013 in Lübeck statt.
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