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rezension


Marx, Joseph

Orchesterlieder

Interpret: Angela Maria Blasi (Sopran), Stella Doufexis (Mezzosopran), Bochumer Symphoniker, Ltg. Steven Sloane
Verlag/Label: ASV DCA 1164
Rubrik: CDs
Das Orchester 05/2005, Seite 83
Keine Frage: Englisch ist Weltsprache Nummer eins und der Musikmarkt international. Doch dass das Booklet einer Einspielung von Joseph Marx’ Orchesterliedern mit mindestens zur Hälfte deutschsprachigen Interpreten nur in englischer Sprache erscheint, empfinde ich dann doch als fragwürdig. Dies ist allerdings auch der einzige Schatten, den diese klanglich wie auch interpretatorisch ausgezeichnete Einspielung trübt.
Als eine gut gelungene Mischung aus Strauss, Schreker, Korngold und Mahler, gelegentlich gewürzt mit wagnerisch anmutendem Pathos könnte man die Musiksprache der Orchesterlieder von Joseph Marx beschreiben. Doch täte man dem Komponisten Unrecht, würde man es dabei bewenden lassen. Der 1882 in Graz geborene Komponist erlangte vor allem durch seine meist noch vor dem 30. Lebensjahr verfassten Klavierlieder frühen Ruhm. Erst auf Anfragen diverser Orchester instrumentierte er einige dieser Lieder nachträglich. Bemerkenswert, dass bislang einzig das Marienlied aufgezeichnet wurde.
Die Berufung als Philosophieprofessor an die Grazer Universität mit etwa 30 Jahren tat dem kompositorischen Drang des Joseph Marx keinen Abbruch. Sein Schaffen umfasst eine beachtenswerte Anzahl von Orchesterwerken sowie Kompositionen für verschiedene Kammerbesetzungen, Orgel und Chor. Als Brückenbauer zwischen Spätromantik und Impressionismus zählte er zu den renommierten Komponisten seiner Zeit.
Beinahe könnte man Joseph Marx als musikalischen Geschichtenerzähler bezeichnen: Die Kombination aus exakter Lautmalerei, die sich nah am Text orientiert, und äußerst einfallsreicher Orchestrierung machen die – was den inneren Aufbau betrifft – groß angelegten Miniaturwerke zu fantasievollen und kurzweiligen Klanggebilden. Tatsächlich spüren wir den tannenduftigen Nachtwind in der Waldseligkeit, hören wir an anderer Stelle das Wasser plätschern und die Wipfel rauschen, können das changierende Farbspiel mystischer Schleier beobachten, die sich durch das Marienlied ziehen und dem Bescheidenen Schäfer über äußere wie innere Berge und Täler folgen.
Natürlich liegt es nicht nur an der plastischen Musiksprache des Komponisten, dass seine Piecen dem Hörer auf so direkte Weise nahe treten. Die Bochumer Symphoniker unter der Leitung von Steven Sloane öffnen hierzu die Tore, indem sie einen satt klingenden, weichen Klangteppich unter die Gesangslinie breiten, ohne jedoch die motivische Kleinarbeit, die schimmernden Farbtupfer der Soloeinwürfe zu vernachlässigen: ein warmes Wogen, das einen davonzutragen vermag in einen weiten Klangozean.
Angela Maria Blasi, die hier die Songs for high voice interpretiert, trifft inhaltlich und musikalisch stets die richtige Form der stimmlichen und agogischen Artikulation. Ihr für einen Sopran eher dunkles Timbre schwingt sich elegant und klar in die Höhe und verliert auch in der tieferen Mittellage nichts an Glanz und Strahlkraft. Keine leichte Aufgabe, sich neben solcher Stimmschönheit und echt empfundener Musikalität zu behaupten. Doch auch Stella Doufexis (Songs for middle voice und Verklärtes Jahr) weiß zu erzählen, setzt Bilder frei, die eher durch Einfachheit überzeugen (Venezianisches Wiegenlied), auch wenn die Mezzosopranistin insgesamt neben Blasi etwas flach wirkt.
Dieses musikalische Gesamtkunstwerk jedenfalls bietet eine wunderbare Gelegenheit, dem trüben Wintergrau in die fließende Farbigkeit der impressionistischen Spätromantik zu entfliehen: Das Auge hört mit, das Ohr projeziert Bilder in den Raum, der eine dreidimensionale Welt voller Höhlen, Schluchten, Gipfel und Naturzauber bereithält.
Kathrin Feldmann

 
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