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Rezension
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Gernsheim, Friedrich Klaviertrios
Interpret: Arensky Trio Verlag/Label: Antes Edition BM-CD 31.9229 Rubrik: CDs
Das Orchester 09/2008, Seite 67
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Bis vor einigen Jahren war Friedrich Gernsheim nur Musikwissenschaftlern ein Begriff. Zu selten wurden seine Werke im Konzert gespielt, zu wenige Aufnahmen waren auf dem Markt. Nun scheint es eine kleine Gernsheim-Renaissance zu geben. Der Berliner Cellist Alban Gerhardt kombinierte in der „Romantic-Cello-Concerto“-Reihe von Hyperion Gernsheims unbekanntes Cellokonzert in e-Moll op. 78 mit dem berühmten a-Moll-Konzert von Robert Schumann, das Mandelring Quartett ließ bei seiner 2004 bei Audite erschienenen CD Johannes Brahms’ Streichquartett in c-Moll op. 51/1 auf Gernsheims Streichquartett in a-Moll op. 31 treffen.
Dass das Ensemble ausgerechnet diese beiden Komponisten zusammenführte, hatte natürlich seinen Grund. Johannes Brahms und Friedrich Gernsheim waren eng befreundet. Das kann man auch hören, wenn man beispielsweise den ersten Satz aus Gernsheims Klaviertrio in F-Dur op. 28 betrachtet. Dunkle Streicherfarben treffen auf ein rhythmisch akzentuiertes Klavier, das schon bald die Initiative mit vollgriffigen Akkorden an sich reißt und das Geschehen dramatisiert.
Wie Brahms hat auch der 1839 in Worms geborene Friedrich Gernsheim als Pianist angefangen – das Klavier blieb in seinem gesamten musikalischen Schaffen der zentrale Bezugspunkt. Auch bei seinen beiden Klaviertrios in F-Dur op. 28 und in H-Dur op. 37, die das Arensky Trio bei Antes eingespielt hat, gibt das Klavier die entscheidenden Impulse. Die japanische Pianistin Michiko Ikeda ist das Herz dieses Ensembles. Sie schafft Farben und Stimmungen; stets wahrt sie die Balance, stets gewährt sie ihren Mitspielern den nötigen Raum zur Entfaltung.
Beim ersten Klaviertrio Gernsheims kann das Arensky Trio noch am ehesten überzeugen, obwohl die Streicher nicht das gleiche Niveau aufweisen wie die Pianistin. Im Largo spürt das Ensemble sensibel der tiefen Emotionalität des Satzes nach, der Kopfsatz wird thematisch schlüssig gearbeitet. Aber schon beim gar nicht harmlosen Scherzo fallen Ungenauigkeiten wie das nicht sauber umgesetzte Spiccato in der Violine auf; das Finale wirkt in Cello und Violine häufig zu schwerfällig, dem Seitenthema fehlt jede klangliche Raffinesse. Beim 2. Klaviertrio in H-Dur op. 37 wird der Eindruck noch schlechter. Besonders Helmut Haag hat an der ersten Violine immer wieder mit gravierenden Intonationsschwächen zu kämpfen, sodass man sich in manchen hoch liegenden Passagen des Allegrettos wundert, dass der Tonmeister diese Studioaufnahme freigegeben hat. Auch eine fiepende E-Saite im Finale spricht nicht gerade für besondere Sorgfalt. Gábor Szarvas agiert hier am Violoncello intonationssicherer und technisch sauber. Besonders in der Mittellage entfaltet er an seinem Instrument Wärme und Sonorität. Michiko Ikeda gestaltet auch hier den Klavierpart überaus sensibel und macht deutlich, dass Gernsheims Klaviertrios bislang zu Unrecht in den Archiven verstaubten.
Georg Rudiger
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