journal  alle ausgaben  03/2004  Der Rosenkavalier
 

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Rezension


Strauss, Richard

Der Rosenkavalier

Interpret: Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, Ltg. MArek Janowski
Verlag/Label: Capriccio 60 097
Rubrik: CDs
Das Orchester 03/2004, Seite 82
Richard Strauss gehört gemeinsam mit Igor Strawinsky zu den Komponisten des 20. Jahrhunderts, bei denen der Wunsch nach Verbreitung ihrer Musik und die Beachtung ihrer finanziellen Interessen häufig Hand in Hand gingen. Strauss selbst hat stark reduzierte Orchesterfassungen seiner Opernwerke an kleineren Häusern dirigiert, die sonst nie in der Lage gewesen wären, diese aufzuführen. Als Beispiel sei stellvertretend Der Rosenkavalier genannt, von dem eine „Coburger Fassung“ existiert, die der Komponist dort aufgeführt hat.
Und mit dem Rosenkavalier befasst sich auch eine sehr interessante CD-Neuerscheinung, die zugleich zu den angesprochenen merkantilen Überlegungen von Strauss zurückführt. 1925 befand sich der Komponist zwar nicht in einer beängstigenden, aber immerhin angespannten finanziellen Lage. Die Alliierten hatten Teile seines im Ausland angelegten Vermögens beschlagnahmt. So fanden die Worte seines Librettisten Hugo von Hofmannsthal, der durch den Ersten Weltkrieg in noch größere materielle Bedrängnis gekommen war als Strauss, durchaus Gehör, als dieser das Projekt eines Rosenkavalier-Films vorschlug. Da war schnell vergessen, dass Strauss noch 1922 vehement abgelehnt hatte, Filmmusik zu komponieren. Für den später von Robert Wiene geleiteten Rosenkavalier-Film von rund 150 Minuten Länge mussten nicht nur die Vokalpartien teilweise auf Blasinstrumente verteilt werden. Da sich die Handlung stark von der der Oper unterscheidet, war zusätzliche Musik nötig: der extra für die Filmpartitur komponierte Militärmarsch in F-Dur, der Königsmarsch in Es-Dur, die Schlachtmusik Kampf und Sieg sowie der von Strauss orchestrierte Wirbeltanz von Couperin.
Die 1925 abgeschlossene, ein Jahr später von Strauss uraufgeführte Filmmusik ist also, im Gegensatz zu den bei Fürstner erschienenen Walzer-Folgen aus der Oper oder der später von Strauss zusammengestellten Rosenkavalier-Suite, ein weit über ein Potpourri oder reines Arrangement hinausgehendes Werk. Dies auch deshalb, weil es die veränderte Handlung des Stummfilms erfordert; so taucht beispielsweise der Feldmarschall aus dem Krieg auf, um die Marschallin zurückzugewinnen.
Die Eigenständigkeit der Partitur  nimmt  auch Marek Janowski am Pult des bestens disponierten Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin durchaus ernst. Janowskis Sorgfalt, die er der Realisierung der straussschen Musik angedeihen lässt, trägt bei dieser auch klanglich sehr überzeugenden CD-Einspielung Früchte. Für den erfahrenen, oftmals etwas unterschätzten Dirigenten ist die Partitur hörbar eine Herzensangelegenheit. Kontrolliertes Schwelgen ist hier ebenso angesagt wie empfindsame Lyrik, aber auch, wo nötig, dramatisch auftrumpfendes Musizieren. Die Streicher des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin klingen rund und weich, die Holzbläser werden ihren vielen solistischen Aufgaben ebenso gerecht wie das Blech satt, aber immer rund und kontrolliert klingt. Janowski weiß, wo er seinen Musikern Freiräume geben muss, verliert aber auch in manch tumultuösen Passagen nicht die Übersicht. Ein ansprechendes Plädoyer für ein Werk, das Strauss-Freunden ebenso wie jenen, die es noch werden wollen, sehr zu empfehlen ist.
Walter Schneckenburger

 
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