journal  alle ausgaben  07-08/2004  Die lustigen Weiber von Windsor
 

 Bestellen

volltextsuche


in Ausgabe


nur Rezensionen


zur Detailsuche

Rezension


Nicolai, Otto

Die lustigen Weiber von Windsor

Interpret: Juliane Banse, Regina Klepper, Franz Hawlata, Heinz Zednik, LandesJugend Chor NRW, WDR-Rundfunkorchester Köln, Ltg. Helmuth Froschauer
Verlag/Label: Capriccio 60 094
Rubrik: CDs
Das Orchester 07-08/2004, Seite 78
Nach der Uraufführung an der Berliner Lindenoper am 9. März 1849 schrieb die Kritik über die komisch-fantastische Oper Otto Nicolais (1810-1849), dass sich diese auf der Bühne „nicht nur einen momentanen, sondern auch einen dauernden Erfolg
sichern wird“. Recht hatte man damit, denn Die lustigen Weiber von Windsor sind eines der bedeutendsten deutschen Opernwerke.
Nun hat das WDR-Rundfunkorchester unter dem Dirigat von Helmuth Froschauer mit vorzüglichen Gesangssolisten und dem LandesJugendchor NRW eine Gesamtaufnahme dieser Oper vorgelegt, die durchgehend vom enormen Gespür von Nicolais musikalischer Orchestrierungskunst, die ganz aus dem Geiste Bellinis zu stammen scheint, geprägt ist. Schon nach wenigen Takten der Ouvertüre gerät der Hörer in den Bann der Musik. Hier erlebt man mehr als nur solides orchestrales Flair angesichts der Spielkultur der Musiker.
Auch die Protagonisten dieser Aufnahme werden den teilweise hochvirtuosen Ansprüchen ihrer Partien voll gerecht; die einzelnen Charaktere werden beim bloßen Hören physisch erlebbar. An der Spitze des Ensembles begeistert Juliane Banse als anrührende Frau Fluth mit ihrer stimmlichen Nuancierungsfähigkeit. Sie singt textdeutlich und intonationsverlässlich. Franz Hawlata als heruntergekommener alter Ritter Falstaff besticht durch profunden Bass, er bringt viel Timbre und stimmliche Ausdruckskraft mit. Jörg Dürmüllerist betört mit schmelzendem Tenor in seinem sensibel gestalteten Part des Fenton, Andrea Bönig singt mit dunkel timbriertem Mezzo Frau Reich, und Dietrich Henschel als Herr Fluth füllt souverän mit tonschönem Bariton seine Partie aus; Heinz Zednik und Regina Klepper fügen sich homogen in das Ensemble ein.
Mit Helmuth Froschauer steht ein Dirigent am Pult, der sowohl den „deutsch-romantischen“ Gestus als auch die Italianità dieser Partitur präzise ausleuchtet. Der bestens einstudierte Chor leistet ebenfalls Vorzügliches. Eine Seltenheit heutzutage: das äußerst informative und umfangreiche Booklet.
 
Dagmar Zurek

 
Zurück    Drucken   Seitenanfang