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Silvestrov, Valentin Symphony No. 6
Interpreter: Beethoven Orchester Bonn, Ltg. Roman Kofman Publisher: MDG 937 1478-6 Category: CDs
Das Orchester 04/2008, Page 66
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Es ist, als ob etwas Großes, Schweres ins Wasser fiele: Um die Eintauchstelle herum bilden sich auseinander strebende Kreise, musikalische Kreise, die vom zentralen Orgelpunkt genährt und bewegt werden. Der ukrainische Komponist Valentin Silvestrov hält sich nicht auf mit dem Ausarbeiten identifizierbarer Themen, sondern bevorzugt großflächige melodische, dynamische, einander überblendende und miteinander verschmelzende Pinselstriche.
Die Satzbezeichnungen dieser Symphonie sind vielfältiger, als sie sich im realen Musizieren niederschlagen. Vom Andantino ist da die Rede, vom Allegretto, vom Vivace und so weiter. Zu Gehör kommt freilich eher – und übrigens nicht zum Nachteil der Komposition – das, was man auch als eine „modische“ Satzbezeichnung charakterisieren könnte, wie sie typisch für die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war: Tranquillo las man da des Öfteren, und genau so kann man auch diese ganze Symphonie Silvestrovs deuten – als ein einziges, breit getragenes Tranquillo.
Und noch etwas fällt auf beim Hören dieser sechsten Symphonie: „Eigentlich“ kennt man sie, d.h. man hat sie irgendwann, irgendwo schon einmal gehört. Purer Eklektizismus also? Nein, denn was man da „schon mal gehört“ zu haben glaubt, ist bei Silvestrov dann doch ganz anders, ganz eigen-artig und fügt sich geschmeidig in seine Selbstcharakteristik: „Ich schreibe nicht neue Musik, meine Musik ist Antwort und Echo auf Vorhandenes.“ In diesem Sinne könnte die sechste Symphonie eine „Antwort“ oder ein „Echo“ vor allem auf die mahlersche Symphonik sein, ein Mahler freilich, der sich zum Komponieren ins Kiever Höhlenkloster zurückgezogen hat. Auch eine musikalische Fachsimpelei mit Giya Kancheli könnte man heraushören. Oder mit Alfred Schnittke. Oder mit Arvo Pärt, ja, besonders mit diesem. Musik als einen Widerhall von etwas zu schreiben, das unwiederbringlich verloren schien – darin scheint (nicht nur) Silvestrovs Credo zu bestehen.
Schnittke war es, der seinen Kollegen als „den größten unserer Generation“ bezeichnete. Darüber wird, wie stets in solchen Dingen, letztlich dann doch erst die Musikgeschichte richten. Dass er mit seiner Musik einer der größten ist, das freilich steht bereits heute fest und wird durch die bei aller Kontemplation höchst ideenreiche sechste Symphonie nachdrücklich unterstrichen.
Das Beethoven Orchester Bonn, dem die zeitgenössischen Komponisten der ehemaligen Sowjetunion längst keine Unbekannten mehr sind (man denke an die Maßstäbe setzenden Interpretationen Kanchelis) ebnet mit Kompetenz den Weg zu neuen Hörerlebnissen: Den Musikern wie ihrem im Gleichklang mit dem Komponisten atmenden Dirigenten Roman Kofman gebührt für diese Aufführung höchste Anerkennung: Kongenial wird hier umgesetzt, was genial geschaffen wurde.
Friedemann Kluge
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