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Korff, Malte Johannes Brahms
Leben und Werk Publisher: dtv, München 2008 Category: Books
Das Orchester 09/2008, Page 63
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Noch halten sich im Brahms-Jahr die CD- und Buchneuerscheinungen in überschaubaren Grenzen, auch wenn Brillant Classics zu diesem Anlass eine preisgünstige, auf 60 CDs ausgelegte Gesamtaufnahme der Brahms’schen Werke auf den Markt gebracht hat. Und so ist auch die neue Brahms-Biografie von Malte Korff zu begrüßen. Sie ist geprägt von einer sachkundigen, die nötige Distanz wahrenden Herangehensweise an das biografische Subjekt, das in seiner persönlichen Komplexität ebenso dargestellt werden soll wie das Werk in seiner Bedeutung und Eigenart. Natürlich bleibt für tiefer gehende Analysen in einem Band, der auf rund 260 Seiten das Schaffen und die Biografie eines der bedeutendsten Komponisten des 19. Jahrhunderts beleuchten will, kein Raum.
Was etwas zu kurz kommt bei Korffs Ansatz, ist der von Skrupeln behaftete Umgang von Brahms mit seinen Kompositionen. Die vielen vernichteten Werke der Frühzeit, aber auch die häufigen, für Brahms so typischen Umarbeitungen werden zwar erwähnt, in ihrer Komplexität und der Bedeutung für den spezifischen Schaffensprozess des Komponisten aber nicht immer in der gebotenen Deutlichkeit nachgezeichnet. Dies schmälert den Ansatz des Autors, der schon mit biografischen Arbeiten zu Johann Sebastian Bach und Franz Schubert hervorgetreten ist, aber nur peripher.
Malte Korff zeichnet das Leben und Wirken von Brahms chronologisch nach. Es entsteht ein Psychogramm eines Menschen, der gegen viele Widerstände kämpfen musste und den die Niederlagen zeichnen, wie beispielsweise die Ablehnung, die ihm viele Jahre in seiner Heimatstadt Hamburg entgegenschlug und die Brahms auch später nie vergessen hat. Seine Bindungsunfähigkeit wird so auch auf wirtschaftliche Zwänge zurückgeführt: Als junger Mann hatte er keine Anstellung, sodass er keine Familie gründen und gleichzeitig sein künstlerisches Schaffen vorantreiben konnte; so stellte Brahms es zumindest selbst dar. Ebenso spielte die unglückliche Liebe zu Clara Schumann, von Korff mit Feingefühl und unter Verzicht auf Spekulationen geschildert, eine zentrale Rolle für die Entwicklung der schwierigen Persönlichkeit. Korff beschreibt auch die durchaus problematischen Seiten Brahms’ – wie beispielsweise dessen oft selbst Freunden gegenüber harsches und zynisches Auftreten.
Die Bedeutung, die Brahms für das 20. Jahrhundert hatte, deutet der Autor kurz am Beispiel Schönbergs an. Ansonsten geht er mit der Wirkungsgeschichte etwas knapp um. Dagegen wird der Aufstieg des Komponisten im Licht des Parteienstreits mit der Neudeutschen Schule Liszts/ Wagners zwar kurz, aber mit den notwendigen Hintergrundinformationen beleuchtet. Die bedeutendsten künstlerischen Stationen und die wichtigsten Werke Brahms’ werden insgesamt ausreichend differenziert dargestellt. Schwächen im Detail sind auch dem Rahmen einer nicht zu umfangreich angelegten Biografie geschuldet.
Korffs Ansatz ist von Sachkunde und der Kenntnis der umfangreichen Brahms-Literatur geprägt. Ein Buch, das den Komponisten und sein Schaffen auch dem mit Brahms weniger vertrauten Leser nahe bringen kann.
Walter Schneckenburger
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