Toshio Hosokawa
* 23. Oktober 1955
Herkunftsland: Japan
In Kürze:
Matsukaze
Dirigent: John Kennedy
24. Mai 2013 | Dock Street Theatre - Charleston, SC - Vereinigte Staaten von Amerika
Matsukaze
Dirigent: John Kennedy
26. Mai 2013 | Dock Street Theatre - Charleston, SC - Vereinigte Staaten von Amerika
Profil
Musik ist der Ort, an dem sich Töne und Schweigen begegnen. (Toshio Hosokawa)
Toshio Hosokawa wurde am 23. Oktober 1955 in Hiroshima geboren. Nach ersten Klavier-und Kompositionsstudien in Tokyo kam er 1976 nach Berlin, um an der Hochschule der Künste bei Isang Yun Komposition zu studieren. Von 1983 bis 1986 setzte er seine Ausbildung an der Hochschule für Musik in Freiburg bei Klaus Huber fort. 1980 nahm er erstmalig an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt teil, wo einige seiner Werke aufgeführt wurden. Ab 1990 kehrte er regelmäßig als Dozent nach Darmstadt zurück. In den Folgejahren wuchs das Ansehen des japanischen Komponisten in der internationalen zeitgenössischen Musikszene kontinuierlich; Hosokawa erhielt zahlreiche Kompositionsaufträge. Von 1989 bis 1998 organisierte der Komponist als Künstlerischer Direktor das jährlich stattfindende, von ihm mitbegründete Akiyoshidai International Contemporary Music Seminar und Festival in Yamagushi. Seit 2001 ist er musikalischer Leiter des ebenfalls in Japan stattfindenden Takefu International Music Festival in Fukuj. 2004 wurde er als ständiger Gastprofessor ans Tokyo College of Music berufen. Hosokawa lebt in Nagano, Japan, und in Mainz, Deutschland.
Hosokawas Kompositionen umfassen Orchesterwerke, Solokonzerte, Kammer- und Filmmusik sowie Arbeiten für traditionelle japanische Instrumente. Seine Werke sind von der westlichen Theorie – von Schubert bis Webern – in gleicher Weise beeinflusst wie von der traditionellen japanischen Musikkultur. Für Hosokawa ist der Kompositionsprozess mit den Vorstellungen des Zen Buddhismus und dessen symbolhafter Deutung der Natur verbunden. Im Instrumentalstück In die Tiefe der Zeit (1994) repräsentiert das Cello das männliche, das Akkordeon das weibliche Prinzip, während die Streicher den umgebenden Kosmos in Form von Luft und Wolken widerspiegeln. Jeder einzelne Ton hat Bedeutung. In seinen klanglichen Ausprägungen entzieht er sich der Stille und wird zum Bestandteil eines übergeordneten philosophischen Konzepts. Das Orchesterwerk Circulating Ocean entstand 2005 als Auftragswerk der Salzburger Festspiele. Die Uraufführung dirigierte Valery Gergiev; bereits ein Jahr später erklang das Werk unter Kazushi Ono bei den BBC Proms. Hosokawas Klavierkonzert Lotus under the moonlight wurde als Hommage an Mozart 2006 vom NDR Sinfonieorchester mit der Pianistin Momo Kodama uraufgeführt. Die Japanische Erstaufführung mit dem Mito Chamber Orchestra leitete Seiji Ozawa. 2007 fand in Berlin die Deutsche Erstaufführung mit Kent Nagano und dem DSO statt.
In dem Oratorium Voiceless voice in Hiroshima (1989/2000-01) für Solisten, Erzähler, Chor, Zuspielband (ad lib.) und Orchester setzt sich Hosokawa mit dem folgenschweren Bombenabwurf über seiner Heimatstadt Ende des Zweiten Weltkriegs auseinander. In einer extremen Musiksprache – brutale Klangwelt von Blech und Schlagwerk, farbige Akkordlandschaft des Chors – nähert sich der Komponist dem Unsagbaren. Mit Visions of Lear wurde 1998 bei der Münchener Biennale die erste Oper des Komponisten aufgeführt. In dieser Shakespeare-Adaption gelingt Hosokawa ein Brückenschlag zwischen Ost und West: Auf den Spuren des Renaissancestoffes trifft modernes europäisches Musikschauspiel auf die japanische Tradition des Nō-Theaters. Hanjo, Hosokawas zweite Oper, kam 2004 beim Festival Aix-en-Provence auf die Bühne. Weitere Aufführungen folgten u.a. in Brüssel, Hamburg, Lissabon, Bielefeld, Lyon, Tokyo und Mailand.
Hosokawa erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise: den Irino Preis für Junge Komponisten, den ersten Preis des Kompositionswettbewerbs anlässlich des 100. Geburtstags des Berliner Philharmonischen Orchesters (beide 1982), den Arion Musikpreis (1984), den Kompositionspreis der jungen Generation in Europa (1985), den Kyoto Musikpreis (1988) und 1998 den Rheingau Musikpreis sowie den Duisburger Musikpreis. 2001 wurde Hosokawa zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin ernannt. 2006/07 und 2008/09 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt am Wissenschaftskolleg in Berlin. Composer in Residence war er bei der Biennale di Venezia (1995, 2001), der Internationalen Sommerakademie der Hochschule Mozarteum Salzburg (1998), den Internationalen Musikfestwochen Luzern (2000), musica viva in München (2001), Klangspuren in Schwaz (2002), Musica nova Helsinki (2003) und Acanthes in Villeneuve-lez-Avignon (2003) sowie Warsaw Autumn (2005, 2007). Seit 1998 ist Hosokawa ständiger Composer in Residence beim Tokyo Symphony Orchestra.
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