Der 1997 im Alter von 84 Jahren verstorbene Komponist Conlon Nancarrow gilt als Ausnahmeerscheinung zeitgenössischer Musik. Vor allem durch seine Kompositionen für das Player Piano ist Nancarrow in die Musikgeschichte eingegangen.
Nancarrows Œuvre lässt sich, neben seinem zentralen Werk, den „Studies for Player Piano" ,in drei Gruppen live-instrumentaler Kompositionen einteilen: die frühen Werke (ca. 1930–1947) – in diese Periode fallen Kompositionen wie das erst 1990 wiederentdeckte „Septet" (1939) oder der 1940 entstandene Werkzyklus „Suite for Orchestra".
Andere, parallel zu weiteren Player Piano-Stücken entstandene Instrumentalwerke lassen sich der Schaffensphase von 1984 bis ca. 1993 zuordnen. Dazu zählt beispielsweise „Three Movements for Chamber Orchestra" (1993). Ein handschriftlicher Vermerk in den Partituren weist darauf hin, dass es sich hier teilweise um Transkriptionen handelt, bei denen Nancarrows Assistent mitgewirkt hat. Dieses Vorgehen steht für den Übergang in die späte Schaffensperiode des Komponisten, die geprägt ist sowohl von Eigen- als auch von Fremdbearbeitungen, Kompositionen, die vor allem zum Zwecke konzertanter Aufführungen geschrieben wurden.
Wie weit sich Bearbeitungen von der ursprünglichen Quelle entfernen können, zeigt das Stück „Nancarrow Concerto" von Paul Usher, der sich darin „vom Geiste“ Nancarrows leiten ließ. Es steht als gelungenes Beispiel für ein kreatives Weiterdenken von Nancarrows Musik am Ende des CD-Programms.
Produktion WDR 2004/2005 | Koproduktion mit WDR und Ensemble Modern